Architektur eines Freestyle-Manövers PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sebastian   
Sonntag, 19. April 2009 um 12:31 Uhr

Die meisten Freestylemanöver sind Kurven und werden auf Flachwasser ohne Wellen und bei Windstille gefahren. Ziel ist es die Manöver mit möglichst hoher Effizienz zu fahren (möglichst aller Krafteinsatz geht in die Bootsbewegung). Dem zu Folge sollten die Bewegungen des Paddlers deutlich und sauber ausgeführt werden – überflüssige Bewegungen werden vermieden. Außerdem gilt der Grundsatz, das Boot die Arbeit machen zu lassen, wo immer es möglich ist.

 

 

Alle Freestyle-Manöver werden in vier Quadranten eingeteilt:

 

  • Onside – das Manöver wird vorwärts fahrend auf der Paddelseite ausgeführt
  • Offside oder Cross – vorwärts fahrend auf der gegenüberliegenden Seite
  • Reverse Onside – rückwärts fahrend auf der Paddelseite,
  • Reverse Offside – rückwärts fahrend auf der gegenüberliegenden Seite.


Die Onside bezeichnet die Seite des Bootes, auf der der Paddler normalerweise paddelt. Diese Seite wird einmal festgelegt und bleibt immer gleich, auch wenn sich der Paddler im Boot umdreht und rückwärts fährt. Im Tandem ist die Onside die Paddelseite des Bugpaddlers.

Der Ablauf eines Freestyle-Manövers wird in drei Phasen unterteilt: Initiation, Placement und Conclusion.

 

  • Die Initiation bezeichnet die Einleitung des Manövers, z.B. Mit einem überbetonten J- Schlag, einem Vorwärts oder einem Bogenschlag. Dabei wird das Boot schon mal leicht in die richtige Richtung gebracht. Anschließend erfolgt das Aufkanten des Bootes zur gewünschten Seite hin und das Placement.
  • Das Placement ist der eigentlich ausführende Schlag, meist entweder eine flache Paddelstütze (Christie) oder ein statischer Ziehschlag (Axle, Post). Hier vollführt das Boot den größten Teil seiner Drehung.
  • Mit der Conclusion, einem weiteren Paddelschlag, der z.B. ein Bogenschlag oder ein "Loaded Slice" sein kann, wird die Drehung beendet. Die Conclusion kann auch weggelassen werden, wenn ein weiteres Manöver direkt anschließt.

Die gedankliche Unterteilung der Manöver in Phasen hilft dabei sich auf die jeweils wichtigen Bewegungen zu konzentrieren und gibt der Figur, genau wie eine tiefe und gleichmäßige Atmung, den richtigen Rhythmus.

High Kneel Axle (1.Quadrant / Onside)

Eine wichtige Bedeutung hat das Aufkanten (Heel) der Bootshülle während der Manöver. Erst durch das Aufstellen des Rumpfes zu einer Seite werden enge Kurven möglich. Der Süllrand wird je nach Manöver auf einer Seite des Bootes bis auf die Wasseroberfläche heruntergedrückt und gehalten. Dies geschieht durch Verlagerung des Körperschwerpunktes. Bug und Heck kommen dadurch aus dem Wasser, die Kiellinie verkürzt sich und das Boot erhält wesentlich mehr Drehfreiheit. Zusätzlich kann man das Gewicht im Boot, und damit auch den Drehpunkt des Bootes, auch weiter nach vorne oder hinten verlagern. Es gibt die verschiedensten Arten das Aufkanten zu erreichen. Dadurch variieren auch das Aussehen und der Schwierigkeitsgrad einer Figur. Gerade beim Aufkanten ist eine aufrechte und gerade Körperhaltung für die Stabilität des Bootes hilfreich. Generell ist die Haltung nicht nur für das schöne Aussehen der Figuren wichtig, sie bringt auch Sicherheit und hilft das Gleichgewicht zu halten. In der überwiegenden Zahl der Fälle, in denen ich beim Kringeln ein ungeplantes Bad genommen habe, war eine schlechte Körperhaltung mit im Spiel. Eine häufige Fehlerquelle ist auch die Anordnung der Beine. Lässt meine Knieposition die gewünschte Haltung oder Bewegung überhaupt zu?


Die wichtigsten Freestyle-Manöver sind:

 

  • Axle – eine Drehung des Bootes um das Paddel als Achse. Das Boot wird zum Paddel hin aufgekantet.

  • Post – wie Axle, jedoch wird das Boot vom Paddel weg aufgekantet (Paddel wird neben dem hohen Süllrand plaziert). Diese Figur sieht aus als würde man sich um einen Pfosten herum in die Kurve ziehen - daher der Name "Post".

  • Christie – Eine Kurve mit flacher Paddelstütze. Das Boot wird zum Paddel hin aufgekantet.

  • Wedge – Paddelblatt wird in einem spitzen Winkel in Fahrtrichtung an den Rupf gehalten und bildet zusammen mit dem Bootsrumpf einen Keil. Dieser drückt das Boot in eine enge, schnelle Kurve. Das Boot wird zum Paddel hin aufgekantet. (Badespaß nicht ausgeschlossen)

  • Sideslip – das Boot kommt aus einer Vorwärtsbewegung und wird durch anstellen des Paddelblattes neben dem Bootsrumpf seitlich weggezogen. Es entsteht eine gleichmäßige Vorwärts- und Seitwärtsbewegung. Ein sehr schones Manöver mit "Ghosting-Faktor". Dieses Manöver ist keine Kurve, daher wird das Boot nicht aufgekantet.

  • Outer Gimbal – Das Paddel beschreibt bei kontinuierlichem Druck auf das Blatt eine Kreisbewegung neben dem Boot. Dadurch dreht sich das Boot ebenfalls auf einer Kreisbahn. Das Boot wird zum Paddel hin aufgekantet.

  • Inner Gimbal – Das Paddel wir unter der Wasseroberfläche horizontal in einer Kreisbahn geführt. Dabei taucht es unter dem Bootsrumpf durch. Das Boot beschreibt eine sehr enge Kreisbewegung, dreht sich nahezu auf der Stelle. Das Boot wird zum Paddel hin aufgekantet. (Für Anfänger ist auch mal ein Tauchgang möglich - hab's ausprobiert)


 Cross Christie (2.Quadrant / Offside)

 

 

Diese Manöver können in allen vier Quadranten(onside, offside, reverse onside, reverse offside) und in verschiedenen Variationen und Kombinationen ausgeführt werden. Dadurch sehen sie unterschiedlich aus und erhalten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Auch die Bewegungen zwischen den einzelnen Manövern (effizientes Geradeauspaddeln) und bei den Positionswechseln (Transitions) sollten sauber und mit Leichtigkeit ausgeführt werden. Dadurch wird ein Wackeln des Bootsrumpfes vermieden, welches das Boot unnötig bremsen würde. Außerdem - was Effizient ist sieht auch elegant aus.

Oft wird auch zu Musik gepaddelt. Durch Kombination der verschiedenen Manöver lassen sich Musikstücke interpretieren und eine Kür erarbeiten. In den USA gibt es dafür auch Wettbewerbe und richtige Meisterschaften.

Das Wichtigste zum Schluss: Spaß haben! Das kann man beim Freestyle-Canoeing auch dann wenn man es nicht perfekt beherrscht.

 

 

Herzlichen Dank an Silke und Jörg, für hilfreiche Anregungen und Verbesserungsvorschläge!

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 23. April 2009 um 20:30 Uhr
 

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